Der Canonical-Verweis gilt vielen als Schalter, der doppelte Inhalte abstellt. Er ist keiner. Er ist eine Meinungsäußerung des Betreibers, über die die Suchmaschine entscheidet.

Wofür er gedacht ist

Dieselbe Seite ist oft unter mehreren Adressen erreichbar, ohne dass jemand es beabsichtigt hätte:

  • Parameter aus Werbekampagnen – dieselbe Seite, angehängte Kennungen
  • Sortierungen und Filter – dieselbe Liste in anderer Reihenfolge
  • Druckansichten – derselbe Text ohne Navigation
  • Ein Beitrag in mehreren Kategorien, wenn die Kategorie in der Adresse steht

Der Canonical-Verweis sagt: Von diesen ist jene die maßgebliche. Bewerte sie, zeige sie an, rechne ihr die eingehenden Verweise zu.

Was bei doppelten Inhalten tatsächlich passiert

Keine Strafe. Die Suchmaschine wählt eine der Fassungen aus und zeigt sie – möglicherweise nicht die, die man haben wollte. Dazu verteilen sich eingehende Verweise auf mehrere Adressen, statt einer zugutezukommen. Das ist ärgerlich, aber es ist kein Vergehen.

Warum er übergangen wird

Die Angabe ist ein Hinweis. Die Suchmaschine wägt sie gegen andere Signale ab – und die sind manchmal stärker:

Häufige Gründe für ein Übergehen
UrsacheWas daran nicht stimmt
Ziel steht auf noindexWiderspruch: „nimm diese" und „diese nicht aufnehmen"
Ziel wird weitergeleitetDas Ziel existiert unter der genannten Adresse gar nicht
Ziel ist in der robots.txt gesperrtEs kann nicht abgerufen und damit nicht beurteilt werden
Interne Verweise zeigen woandershinDie Website selbst behandelt eine andere Adresse als die wichtige
Sitemap nennt eine andereZwei Aussagen desselben Betreibers widersprechen sich
Seiten sind inhaltlich zu verschiedenEs sind keine Dubletten, sondern zwei Seiten
Ein Canonical-Verweis gegen die eigene interne Verlinkung verliert. Wenn die ganze Website auf Adresse A zeigt, wirkt eine Zeile im Kopfbereich, die B nennt, nicht überzeugend.

Der Fehler, der aus Erweiterungen kommt

Ein verbreitetes Muster: Jede Seite einer Website trägt einen Canonical-Verweis auf die Startseite. Das entsteht durch eine falsch eingestellte Erweiterung und hat eine drastische Wirkung – sämtliche Unterseiten erklären sich selbst für unmaßgeblich.

Auffällig wird es daran, dass Seiten aus dem Index verschwinden, obwohl sie erreichbar sind und kein noindex tragen. Die Prüfung dauert eine Minute: Quelltext zweier verschiedener Unterseiten öffnen und den Canonical-Verweis vergleichen. Steht dort zweimal dasselbe, ist die Ursache gefunden.

Der Prüfweg

  1. Adressabfrage in der Search Console

    Dort stehen zwei Angaben nebeneinander: die vom Betreiber angegebene und die von Google gewählte kanonische Adresse. Stimmen sie überein, ist die Sache erledigt.

  2. Bei Abweichung: das Ziel prüfen

    Ist es abrufbar? Steht es auf noindex? Wird es weitergeleitet? Drei Fragen, die den größten Teil der Fälle klären.

  3. Interne Verweise zählen

    Worauf zeigt die Website selbst? Zeigen zwanzig interne Verweise auf A und der Canonical auf B, ist das Ergebnis absehbar.

  4. Sitemap gegenlesen

    Sie sollte nur kanonische Adressen enthalten. Steht dort eine Fassung, die per Canonical auf eine andere zeigt, widerspricht man sich selbst.

Canonical und Weiterleitung schließen sich aus

Wer eine Adresse weiterleitet und ihr einen Canonical-Verweis mitgibt, macht die Angabe unsichtbar – die weitergeleitete Seite wird gar nicht ausgeliefert. Entscheiden: Soll die Adresse verschwinden, dann Weiterleitung. Soll sie erreichbar bleiben, dann Canonical.