Es gibt eine ganze Gattung von Beiträgen mit dem Titel „Die 200 Google-Rankingfaktoren". Sie beruhen alle auf derselben Zahl aus derselben beiläufigen Bemerkung – und auf keiner Liste.

Drei Sorten von Aussagen

Nützlicher als jede Aufzählung ist die Unterscheidung, woher eine Behauptung stammt:

Herkunft von Aussagen über Rankingfaktoren
SorteWoherBelastbarkeit
BestätigtÖffentliche Aussage von Google, Dokumentation, AnkündigungHoch – aber meist ohne Gewichtung
BeobachtetAuswertungen und Korrelationsstudien DritterMittel – Zusammenhang ist keine Ursache
BehauptetWeitergereicht, abgeschrieben, aus Einzelfällen verallgemeinertKeine

Was bestätigt ist

  • Verschlüsselung. HTTPS wurde als leichtes Signal angekündigt. Praktisch ist es ohnehin Pflicht – Browser kennzeichnen unverschlüsselte Seiten als unsicher.
  • Bedienbarkeit auf Mobilgeräten. Bewertet wird die mobile Fassung einer Seite. Eine Website, die auf dem Telefon nicht bedienbar ist, hat kein Rankingproblem, sondern ein Grundproblem.
  • Ladeverhalten. Die unter Core Web Vitals zusammengefassten Kennzahlen sind bestätigt – jeweils mit dem Hinweis, dass sie eines von vielen Signalen sind und guten Inhalt nicht ersetzen.

Bemerkenswert ist, wie kurz diese Liste ist. Alles Weitere ist abgeleitet.

Die Dokumente von 2024

Im Mai 2024 wurden interne Unterlagen zu einer Google-Schnittstelle öffentlich, die Namen und Kurzbeschreibungen zahlreicher gespeicherter Merkmale enthielten. Die Berichterstattung darüber war umfangreich, und die Verwechslung, die dabei entstand, ist die interessante:

Ein gespeichertes Merkmal ist kein Rankingfaktor. Dass ein Wert erfasst wird, sagt nichts darüber, ob er in die Bewertung eingeht – und schon gar nicht, mit welchem Gewicht.

Erheblich ist der Fund trotzdem: Er zeigt, dass bestimmte Merkmale existieren, deren Erfassung zuvor bestritten oder relativiert worden war. Das ist ein Befund über Auskunftsverhalten. Eine Handlungsanweisung folgt daraus nicht.

Warum Korrelationsstudien wenig taugen

Sie messen, welche Merkmale gut platzierte Seiten häufiger aufweisen. Das ist kein Nachweis einer Ursache. Gut platzierte Seiten haben häufiger eine Verschlüsselung, häufiger viele eingehende Verweise und häufiger längere Texte – all das kann Folge des Erfolgs sein statt seiner Ursache.

Was daraus folgt

Für die Arbeit ist die Faktorenfrage weniger wichtig, als ihre Beliebtheit vermuten lässt. Die Befunde, die sich in der Praxis finden, sind fast nie subtil:

  1. Seiten, die gar nicht im Index sind

    Der häufigste Befund überhaupt – und keine Gewichtungsfrage, sondern eine Ja-Nein-Frage.

  2. Inhalte, die die Frage nicht beantworten

    Eine Seite über ein Thema ist nicht dasselbe wie eine Antwort auf eine Frage. Der Unterschied ist am Absprungverhalten ablesbar, lange bevor man über Faktoren nachdenkt.

  3. Ladezeiten, die spürbar sind

    Nicht die Punktzahl eines Messwerkzeugs, sondern das eigene Erleben auf dem Telefon im Mobilfunknetz.

Diese drei Punkte helfen unabhängig davon, wie sie gewichtet werden – weil sie auch Menschen helfen. Das ist der einzige Faktor, auf den man sich verlassen kann.